Zeitzeugengespräch mit Manfred Simon 

(KM) Der Holocaust-Überlebende Manfred Simon sprach am 4. März per Zoom mit dem Englisch-Geschichtskurs der Jahrgangsstufe 10 und der Klasse 9c.

In einem eindrucksvollen Zeitzeugengespräch berichtete er von seiner Kindheit während der NS-Zeit und von den Erfahrungen, die sein Leben bis heute prägen. Die Schüler*innen konnten selbst Fragen stellen und so einen direkten Einblick in ein Kapitel der Geschichte erhalten, das für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung ist.

Manfred Simon wurde 1929 in Köln geboren und wuchs in einer jüdischen Familie auf. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderte sich sein Leben grundlegend: Als Jude wurde er zunehmend ausgegrenzt, sodass er 1939 mit seinen Eltern in die USA auswanderte. Jahre später entschied er sich, wieder nach Köln zurückzukehren und seine Geschichte zu erzählen. Heute engagiert er sich dafür, seine Erinnerungen mit jungen Menschen zu teilen. Seine Lebensgeschichte wird unter anderem auch im Projekt-LEFTOVERS des Lern- und Gedenkortes Jawne dokumentiert.

Während des Gesprächs schilderte Manfred Simon viele persönliche Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend. Besonders bewegend war, wie offen er über seine Gefühle und Gedanken aus dieser Zeit sprach. Für viele Schüler*innen waren vor allem seine Botschaften für die heutige Generation eindrücklich.

Eine Schülerin aus dem Kurs sagte im Anschluss:

„Ich fand seine Rückkehr nach Köln sehr beeindruckend und wie er erzählt hat, dass er eigentlich niemals zurückkommen wollte, aber dann doch realisiert hat, dass es eine neue Generation gibt und dass er sich überwinden kann. Das hat sehr viel Stärke gezeigt und kann andere inspirieren, auch eine zweite Chance zu geben und sich nicht zu stark von der Vergangenheit zurückhalten zu lassen.“

Ein weiterer Schüler erinnerte sich besonders an eine Botschaft, die Manfred Simon den Jugendlichen mitgeben wollte:

„Beim Zeitzeugengespräch ist mir vor allem eine Sache hängengeblieben, nämlich die Antwort von Manfred Simon auf die Frage, was er uns, der jetzigen Generation, mitgeben möchte Er appellierte, dass wir die Demokratie beschützen müssen, vor allem, wenn die Regierung anfängt, bestimmte Gruppen gezielt zu diskriminieren. Wenn man sich die aktuelle Lage anguckt, finde ich es besonders wichtig, diese Botschaft ernst zu nehmen, damit sich dieses grauenhafte, menschenverachtende Ereignis nie wiederholt.“

Auch ein drittes Zitat zeigt, wie sehr einzelne Erinnerungen aus Simons Kindheit die Schüler*innen berührt haben:

„Der für mich wichtigste Punkt in dem Gespräch mit Manfred Simon kam zur Sprache, als er von seinem Erlebnis mit der HJ berichtete. Er sah als kleiner Junge diese Gruppe von Kindern fröhlich mit Trommeln und Gesang durch die Straße ziehen. Er erzählte seiner Mutter, dass er, wenn er größer ist, auch gerne dieser Gruppe beitreten möchte. Woraufhin seine Mutter sagte: ,Das kannst du nicht, du bist doch Jude.' Herr Simon berichtete von seinen Gedanken als Kind, die für mich entscheidend sind:

„Ich kenne keinen Unterschied zwischen Juden und Christen, das Einzige, was ich weiß, ist, dass ich am Samstag mit meiner Familie in die Synagoge gehe, die Christen gehen am Sonntag in die Kirche. Wir sind doch alle Menschen? Was unterscheidet mich?“

Das Gespräch mit Manfred Simon hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig Zeitzeugenberichte für das Verständnis der Geschichte sind. Gerade für junge Menschen wird Geschichte durch persönliche Erinnerungen greifbar. Gleichzeitig machte Herr Simon deutlich, dass Erinnerung nicht nur bedeutet, in die Vergangenheit zu schauen, sondern auch Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.


Das Online-Projekt LEFTOVERS bietet Einblicke in die Erinnerungen ehemaliger Kölner Jüdinnen und Juden denen es gelang aus Nazi-Deutschland zu fliehen oder ihre Deportation in Ghettos und Konzentrationslager zu überleben.