Ein weiteres Förderangebot neben Tutorium und Lernberatung

Schülerinnen und Schüler verbringen immer mehr Zeit in der Schule. Es bleiben folglich weniger Möglichkeiten, Probleme, Schwächen oder Defizite zu Hause aufzuarbeiten.

Gleichzeitig gilt es zu beachten, dass das Schiller-Gymnasium schon viele Förder- und Forderangebote macht, die nicht miteinander konkurrieren, sondern sich gegenseitig ergänzen sollen. Zudem lehrt die Erfahrung, dass Beratungsangebote von Schülern*innen oft als zusätzliche Belastung empfunden und nur unzureichend wahrgenommen werden. Auch dem gilt es, Rechnung zu tragen.

Das Lerncoaching passt perfekt in unser etabliertes Beratungsangebot. Es wendet sich an Schüler*innen mit unterschiedlichsten Beratungsanlässen und versucht ausdrücklich, zusätzliche Belastungen zu minimieren. Das Lerncoaching richtet sich an Schüler*innen mit Leistungsdefiziten. Ihnen wird aber nicht in Form einer Nachhilfe oder einer Hausaufgabenbetreuung geholfen. Beides wird schon durch das Tutorium oder die Lernzeit abgedeckt. Das Lerncoaching unterstützt zusätzlich bei Defiziten in der Organisation der schulischen Aufgaben, bei zu geringer oder wenig engagierter Teilnahme am Unterricht, bei Versetzungsproblemen, bei Störung des Unterrichts, bei Schulverweigerung etc.

Elf Kolleginnen und Kollegen wurden über zwei Schuljahre zu Lerncoaches ausgebildet. Diese haben sich auf folgendes Vorgehen bei der Auswahl der Schüler*innen für das Lerncoaching und bei ihrer Betreuung geeinigt: Auf den Zeugnis- bzw. Quartalskonferenzen wird abgefragt, ob nach Ansicht der Kolleg*innen ein besonderer Förderbedarf für bestimmte Schüler*innen besteht. Die dabei genannten Schüler*innen werden persönlich und über ihre Eltern zum Lerncoaching eingeladen. Die Teilnahme ist freiwillig, kann abgelehnt werden: Niemand muss das Lerncoaching nutzen, es soll als Angebot verstanden werden.

Hat ein/e Schüler*in sich aber entschieden, das Angebot zu nutzen, so wird beim ersten Treffen der Beratungsbedarf geklärt. Jede/r Teilnehmer*in legt selber das Ziel fest, das erreicht werden möchte. Die/der ratsuchende Schüler*in ist im Konzept des Lerncoachings der eigentliche Experte für sein „Problem“, die lerncoachende Person hilft nur bei der Suche nach den geeigneten Ressourcen zur Bewältigung der Krise.

Dabei werden eher kleine Ziele gesetzt, die manchmal sehr bescheiden wirken. Das Lerncoaching-Team verspricht sich davon, dass jeder, der einmal ein Ziel erreicht hat, und sei es noch so klein, daraus so viel Mut schöpft, dass er sich zutraut, weitere, größere Ziele in den Blick zu nehmen und zu erreichen.

In den folgenden Sitzungen wird gemeinsam mit der/dem Schüler*in reflektiert und überprüft, ob der vereinbarte Weg eingehalten werden kann, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Dabei ist das Lerncoaching keine Psychotherapie. Lerncoaching bedeutet, bei der/dem Schüler*in anzusetzen und ihre/seine vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen zu unterstützen. Nur das, was ein/e Schüler*in sich selber zutraut und vornimmt, ist sie/er auch bereit umzusetzen (Hilfe zur Selbsthilfe).

Das Lerncoaching ist immer eine zeitlich begrenzte Maßnahme, die nach ca. sechs bis acht Treffen endet. Lerncoaching versteht sich nicht als belastende Dauermaßnahme, sondern als schnelle Hilfe zur Selbsthilfe. Durch die zeitliche Begrenzung der Maßnahme bekommt jedes einzelne Treffen eine große Wichtigkeit, so dass konzentriert und engagiert gearbeitet werden muss. Nur in begründeten Fällen wird das Lerncoaching verlängert. Ein Treffen dauert in der Regel ca. 20 bis 25 Minuten. Die/der Schüler*in kommt aus dem laufenden Unterricht zu einem Treffen mit der lerncoachenden Person in den Beratungsraum.

Beim letzten Treffen wird das gesamte Vorhaben evaluiert. Selbstverständlich dokumentiert der Lerncoach jedes Coaching.


Für das Lerncoaching-Team: Klaus Fuxen