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„Willkommen in der Hölle“

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Ein höllisch-fröhlicher Kabarettabend am Schiller

(Lilian Theweleit, Q1) In der satirisch geschaffenen Hölle werden dieses Jahr nicht nur Trump, Putin, die GroKo und Heidi Klum angeklagt und zum Teufel geschickt. Auch die diesjährigen Besucher des schillerianischen Thaterhighlights landeten an diesem Montagabend in der Hölle: dem Theaterkeller des Schillergymnasiums. Wer hätte gedacht, dass die Hölle so humorvollen Kabarett hergibt...? Jeder, der die Gallensteine bereits kennt, hat sicherlich damit gerechnet. Ein Abend gefüllt mit anspruchsvollen und weniger anspruchsvollen, herzerwärmenden und trockenen, kritisierenden und flachen Witzen, der die Lachmsukeln der Besucher anstrengte und die Seele bereicherte.

Um kurz vor 8 am Montag, den 4. Juni liegt ein Hauch von Aufregung gemischt mit Vorfreude und einer klitzekleinen Prise Lampenfieber in der Luft, während die Zuschauer, jung wie alt, fröhlich plappernd, mit Cola oder Bier in der Hand in den Theaterkeller treten und sich ihre Plätze suchen. Schülerinnen der Q1 bieten Getränke und Brezeln an und auch einige der SchauspielerInnen selbst, verstecken sich nicht hinter der Bühne so kurz vor ihrem großen Auftitt, sondern albern vor dem Theaterkeller herum. Die Proben seien gut gelaufen. „Eigentlich viel zu gut“ meinen sie, denn wie man so schön sagt: Eine verpatzte Generalprobe, sorgt für eine gelungene Premiere. Die Premiere gelang dann aber trotzdem. Wenn auch mit ein paar ganz kleinen Textpatzern, die mehr lustig als peinlich waren.

Seit 36 Jahren gibt es die Gallensteine bei uns am Schiller und wie jedes Jahr, wenn die Saison der lauwarmen Sommerabende anbricht, präsentierten sie am Montag (und am Dienstag) ihr Sammelsorium an selbstkreirten, sehr abwechslungsreichen Szenen. 19 Sketche, die sich in Talkshows, Wohnzimmern, Klassenräumen, Gerichtssäälen und Selbsthilfegruppen abspielten und von Haustierhaltung, Schulwahlen, sehr eigenartigen Goethe-Interpretationen und dem zukünftigen Zusammenleben mit künstlicher Intelligenz erzählten. Auch die (Un)gleichberechtigung von Frau und Mann war Thema: Eine Szene zeigte einen “Workshop für Gleichberechtigung“, der Frauen darin lehrt, wie sie Männer am effizientesten auf ihr Geschlecht und ihr Aussehen reduzieren. Auch andere Sketche strotzten, ähnlich wie dieser, nur so vor Sarkasmus. Liebevoll, teils musikalisch wurde präsentiert was alles schiefläuft in der heutigen Welt. Auf gallensteinisch: „Warum man lieber keine Kinder in die Welt setzen sollte“. Gründe: Kriege, Trump und das Bienensterben.

Viele der Szenen in diesem Jahr blieben jedoch ohne Kritik an Gesellschaft und Politik, sondern beinhalteten mehr Alltagshumor als Satire. Die Frechheit der letzten Jahre fehlte an einigen Stellen, jedoch ekannte man in jedem gesprochenen Satz das Herzblut und die Freude, welche die Schauspieler in dieses Projekt stecken. Der Abend war eben doch eher „fröhlich“ als „höllisch“.

Das Herz der 17 Kabarettisten bilden Franziska Knob und Arndt Pawelczik, indem sie die Gruppe leiten und auch ihr eigenes schauspielerisches Talent in die Show mit einfließen lassen. Technisch unterstützt wird die Gruppe von Tom May. Neben den Neulingen Amelie Breer, Fabio Di Gennaro, Kurt Malchow und Lara Schlierkamp und den drei Ehemaligen Paul-Can Atlama, Till Jahns und Alexandra Zamzow, standen dieses Jahr wieder Julian Breer, Emma Gebbeken, Vincent Hadamek, Jasper Leithaus, Paul Pärschke, Laurin Reichart, Emma Teike und Niklas Zamzow auf der Bühne.

Einen riesengroßen Dank an alle Mitakteure für diesen humoristischen und seelenbereichernden Theaterabend, der alles andere war als die Hölle.