Eine Stadt zwischen Zerstörung und Erinnerung

(Noa B./Diego D. | Q2) Am Samstagmorgen versammelten wir uns vor der Schule, um von unserem netten Busfahrer zur Fahrt in den belgischen Ort Ypern abgeholt zu werden.

Im Anschluss an die unterrichtliche Behandlung des Ersten Weltkriegs entwickelte sich im Geschichts-LK von Herrn Pawelczik die Idee, eine freiwillige Kursfahrt zu diesem Thema zu gestalten. Mit der Begleitung und Planung von Herrn Pawelczik und Herrn Maus bekamen wir dann die Möglichkeit, das im Ersten Weltkrieg völlig zerstörte und danach wieder aufgebaute Ypern zu besichtigen.

Nach der vierstündigen Fahrt, die viele von uns nutzten, um etwas Schlaf zu tanken, kamen wir dann im schönen Örtchen Ypern an. Das Hostel, das wir glücklicherweise für dieses Wochenende alleine bewohnten, lag unmittelbar beim Menin Gate, einer von den Briten erbauten Gedenkstätte in Form eines Triumphbogens. Nach einer schnellen Erkundungstour durch das Örtchen konnten wir dann einchecken.

Auf eine frei zu gestaltende Mittagspause folgte dann am späten Nachmittag der erste Programmpunkt: der Besuch des Flanders Fields Museums. Dieses Museum bot die Möglichkeit, die Ereignisse in Ypern und Umgebung aus der Perspektive von Zeitzeugen genauer kennenzulernen. Auch konnte man in diesem Museum auf den Glockenturm der Tuchhalle steigen und so den gesamten Ort überblicken. Dieser Museumsbesuch war ein erster einprägsamer Eindruck unserer Fahrt.

Da wir uns auf einer freiwilligen Fahrt befanden, die ein durchaus bewegendes und schwieriges Thema behandelte, wurden uns auch viele Möglichkeiten gegeben, Ypern auf eigene Faust zu entdecken. So gab es nach dem Museumsbesuch wieder Zeit zur freien Verfügung, die viele von uns nutzten, um etwas essen zu gehen.

Um 20 Uhr versammelten wir uns dann allerdings wieder beim besagten Menin Gate für den Höhepunkt unserer Fahrt. An dieser Gedenkstätte gibt es eine sehr besondere gedenkkulturelle Tradition. Jeden Abend seit Ende des Ersten Weltkriegs, mit Ausnahme der Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg, wird dort unter diesem Bogen der Last Post zum Gedenken an die Gefallenen des Krieges geblasen. An diesem besonderen Abend kam danach sogar noch eine Einlage eines Frauenchors, was für ein sehr einprägsames Erlebnis sorgte.

Am nächsten Morgen war es nach dem Frühstück dann schon wieder Zeit zu packen und in den Bus zu steigen, der uns zum Passchendaele Museum brachte. Mit unseren Sachen im Bus machten wir also eine Tour durch dieses Museum, das viele Einblicke in die Ausrüstung, Waffen und Alltagsgegenstände der damaligen Soldaten lieferte. So konnte man dort zum Beispiel Helme des Ersten Weltkriegs selbst anprobieren, durch nachgebaute Schützengräben steigen und, was ich am eindrucksvollsten fand, den nachgestellten Geruch von Giftgasen riechen. Nachdem wir dann, die einen schnell, die anderen langsamer, die Tour beendet hatten, machten wir uns zu Fuß auf zu unseren letzten Programmpunkten.

Nachdem unsere ganze Gruppe auf dem Weg die lokale Pommesbude kaperte, kamen wir dann am Tyne Cot Cemetery an. Auf diesem von den Briten errichteten Soldatenfriedhof wurde uns dann noch einmal eindrucksvoll die Zahl der Kriegsopfer vor Augen geführt. Wir wurden von den vielen symmetrisch angeordneten weißen Kreuzen überwältigt, die jeweils für eine oder mehrere verlorene Seelen errichtet wurden.

Dort wurden wir dann wieder vom Bus abgeholt, um anschließend noch zum Friedhof Langemarck zu fahren. Dieser von den Deutschen errichtete Friedhof stand in bemerkenswert starkem Kontrast zum britischen Memorial. Keineswegs heroisierend, liegen auf diesem Friedhof unter einigen Eichen viele Grabsteine, die ebenfalls für einen oder mehrere Gefallene aufgestellt wurden. Die insgesamt dunkle Atmosphäre auf diesem Friedhof nahm uns auf andere Weise ebenfalls so stark mit wie der Tyne Cot Cemetery.

Gegen 17 Uhr holte uns dort dann der Bus wieder ab, um uns zurück nach Köln zu fahren. Müde und voller Eindrücke fielen wir in unsere Sitze und erholten uns auf der Fahrt von dem prägenden Wochenende, während in uns die traurigen wie schönen Bilder nachhallten. Am Abend kamen wir dann wieder an der Schule an und waren alle miteinander mitgenommen, aber doch glücklich mit der Fahrt. Als die Lehrer, die auch sehr angetan von der Fahrt waren, uns dann sagten, dass sie versuchen würden, diese freiwillige Fahrt nun regelmäßig am Schiller einzuführen, und uns fragten, ob wir die Fahrt empfehlen können, war die Antwort einstimmig sehr positiv.

ypern
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